4. IOP-Summit des Kompetenzzentrums für Interoperabilität im Gesundheitswesen

Das war der 4. IOP-Summit
Vielen Dank für Ihr Engagement: Ein spannender Tag in der Kulturbrauerei in Berlin voller interessanter Inhalte, diverser Panels und Austauschmöglichkeiten innerhalb der IOP Community.
Programm und Agenda
Programm Highlights
Zeit: Donnerstag, den 24. September 2026 von 09:00-18:00 Uhr inkl. Networking-Lunch und Get-together im Anschluss
Ort: Kulturbrauerei Berlin
- ab 9:00: Ankunft und Networking
- ab 9:30: Eröffnung
- ab 9:45: Strategischer Austausch: Politische Verantwortung und operative Wirklichkeit
mit Thomas Renner (BMG) und Dr. Florian Fuhrmann (gematik) - ab 10:15 Uhr: Erstes Panel: Von der Rettungskette zum Versorgungsnetz: Interoperabilität in der Notfallversorgung
- Diskussion über bestehende Herausforderungen und neue Chancen für die sektorenübergreifende Interoperabilität in der Akut- und Notfallversorgung in einem sich reformierenden System
- Impulse von Eva Reiske und Mirjam Scholz (gematik)
- Dr. med. Anke Diehl (u.a. Interop Council Mitglied) moderiert Diskussionsrunde mit Dr. med. Bernadett Erdmann, Sven Kobelt, Dr. med. Kai Heitmann und Tobias Binder.
- ab 11:15: Kaffeepause & Gallery Walk
- ab 11:30: Zweites Panel: Kernprofile - Von der Dampflok zum Daten-ICE
- Wir diskutieren, wie Kernprofile dazu beitragen können, aus vielen einzelnen FHIR-Spezifikationen ein interoperables Gesamtsystem zu machen und damit Innovationen im Gesundheitswesen schneller bei den Anwenderinnen und Anwendern ankommen zu lassen
- u. a. mit Simone Heckmann gefyra GmbH & Interop Council Mitglied und Peter Osburg (gematik)
- ab 12:30: Networking Lunch/ Gallery Walk Projekte
- ab 13:30: Praxisimpuls
- ab 13:45: Interaktive Workshops
- ab 15:45: Kaffeepause & Gallery Walk Projekte
- ab 16:15: Wrap up der Workshops mit Steffi Neumann (Head of KIG)
- ab 16:30: Drittes Panel: Gesundheitswesen der Zukunft
- Auf dem IOP-Summit sprechen wir darüber, wie die Gesundheitsversorgung der Zukunft aussehen kann. Gemeinsam mit Ärzt:innen und Patient:innen sprechen wir darüber, wie die TI und der europäische Gesundheitsdatenraum die Versorgung in Zukunft gestalten werden.
- u. a. mit Lea Winter (gematik) und Timo Frank (gematik)
- ab 17:15: Closing und Get-together
Nutzen Sie die Gelegenheit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Hierzu lädt auch der Gallery Walk mit innovativen Interoperabiliäts-Projekten ein.
Seien Sie beim IOP-Summit 2026 dabei und gestalten Sie die Zukunft mit!
Workshops
Diese Workshops wurden durchgeführt:
- Pflegeinformationen einfach weitergeben - Ein Basismodell auf Grundlage des PIO-Überleitungsbogen mit dem Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege
Wie kann der PIO-Überleitungsbogen so vereinfacht werden, dass er in der Pflegepraxis tatsächlich nutzbar wird und zugleich langfristig anschlussfähig bleibt? Im Workshop diskutieren wir, welche Informationen eine praxistaugliche PIO-Baseline enthalten sollte und wie daraus ein realistischer Einstieg in den strukturierten Datenaustausch in der Pflege entstehen kann.
- Die Zukunft des digitalen Laborprozesses: Mehrwert über Stufe 1 hinaus gestalten mit der mio42
Der digital gestützte Laborprozess wird schrittweise ausgebaut. Nach einer Einführung in den Umfang und die Ziele der bereits definierten ersten Ausbaustufe werden gemeinsam mögliche Anforderungen, Funktionen und Anwendungsfälle für zukünftige Entwicklungsstufen gesammelt und diskutiert.
- Von den Arbeitskreis-Empfehlungen zu möglichen Umsetzungen für Patientenportale, Primärsysteme und ePA
Im Workshop sollen die aktuellen Arbeitskreis-Empfehlungen an Patientenportale, Primärsysteme und die ePA entlang der jeweiligen Umsetzungszeitschienen konkretisiert werden. In vier thematischen Arbeitsgruppen werden Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und praxisnahe Lösungsansätze gemeinsam erarbeitet.
- Versorgung und Forschung zusammenbringen: Wie harmonisieren wir die Spezifikationsarbeiten?
Versorgungs- und Forschungsakteure entwickeln häufig Spezifikationen mit ähnlichen Anforderungen, jedoch in unterschiedlichen Kontexten. Der Workshop bringt diese Akteure zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Herausforderungen zu identifizieren und Potenziale für abgestimmte Vorgehensweisen zu diskutieren.
- Semantik Strategie: Herausforderungen und Lösungsansätze für den EHDS mit dem BfArM
Im Workshop werden Anforderungen, die für den EHDS in Bezug auf Kodiersysteme und Semantik entstehen, in Bezug zu der Semantikstrategie für Deutschland gesetzt. Gemeinsam werden Problemfelder und Lösungsansätze diskutiert.
Ergebnisse der Workshops
Pflegeinformationen einfach weitergeben

Im Workshop „Pflegeinformationen einfach weitergeben“ wurde diskutiert, welche fachlichen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen es für die Entwicklung eines Kerndatensatzes Pflege braucht. Im Mittelpunkt standen dabei bestehende Vorarbeiten, notwendige Akteure, Zusammenarbeit und Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung.
- Aus bisherigen Erfahrungen lernen: Der PIO-Überleitungsbogen ist bislang nicht in die breite Anwendung gekommen. Gründe sind insbesondere sein großer Umfang, fehlende Verbindlichkeit, technische Hürden sowie teilweise unklare Verantwortlichkeiten und Nutzungsszenarien.
- Vom Versorgungsbedarf ausgehen; Ausgangspunkt sollte der konkrete Use-Case und der Informationsbedarf in der Versorgung sein. Statt eines möglichst umfassende Maximaldatensatzes wurde ein praxistauglicher Minimalkonsens als sinnvoller Startpunkt diskutiert. Der PIO-Überleitungsbogen und bestehende Vorarbeiten können hierfür eine wichtige Grundlage bilden.
- Gemeinsame semantische Grundlage schaffen: Für einen sektorenübergreifenden Datenaustausch braucht es eine gemeinsame, zugängliche semantische Basis. Diskutiert wurden insbesondere SNOMED-CT und ICNP, eine stärkere Harmonisierung zwischen SGB-V- und SGB-XI-Kontexten sowie unterstützende Mapping-Ansätze.
- Umsetzung in den bestehenden Systemen mitdenken: Ein Kerndatensatz entfaltet seinen Nutzen erst, wenn er in den tatsächlich eingesetzten Systemen verwendet werden kann. Dafür wurden offene Schnittstellen, die Integration in Primärsysteme, die Anbindung an die TI sowie geeignete Zugriffsrechte für die Pflege als wichtige Voraussetzungen benannt. Hersteller und Anwenderseite sollten dabei von Beginn an gemeinsam betrachtet werden.
- Klare Governance und Verbindlichkeit schaffen: FÜr eine nachhaltige Umsetzung braucht es klare Verantwortlichkeiten und eine langfristige Perspektive. Dazu gehören eine eindeutige Zuständigkeit für Pflege, Weiterentwicklung und Umsetzung des Kerndatensatzes sowie geeignete regulatorische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sollte der konkrete Mehrwert eines Kerndatensatzes sichtbar gemacht werden.
Als übergreifender Punkt zog sich durch die Diskussion, die Pflege als gleichberechtigten Akteur der digitalen Gesundheitsversorgung stärker einzubinden. Die Ergebnisse liefern damit sowohl fachlichen als auch organisatorischen Input für den geplanten Arbeitskreis zum Kerndatensatz Pflege.
Die Zukunft des digitalen Laborprozesses

Für den Workshop trafen sich Vertreter:innen aus der Versorgung, von Verbänden, der Selbstverwaltung und Politik, um Bedarfe für Folgestufen des digital gestützten Laborprozesses (dgLP) zu diskutieren. Gemeinsam mit dem Produktmanagement der ePA, der mio42 GmbH und dem KIG konnten so Anforderungen aus den Themenbereichen der Prozessunterstützung, der Weiterentwicklung der Inhalte des Laborbefunds sowie an Versorgungsszenarien gesammelt und priorisiert werden.
Die Konvergenz der aktuell genutzten vielfältigen Digitalformate für Laborbefunde und -meldungen hin zu einem Format, die Möglichkeit für Labore auf die ePA zugreifen und Laborbefunde in die ePA einstellen zu können, sowie eine vollständige Kodierung für alle Laboruntersuchungsergebnisse zu erreichen, waren die am stärksten nachgefragten Anforderungen an Folgestufen des dgLP. Weitere Themen betrafen u.a. eine Ende-zu-Ende-Betrachtung des Laborprozesses über die ePA hinaus, den optimalen Zeitpunkt der Einsehbarkeit in Laborbefunde für Patienten und das Management von Terminologien in Primärsystemen. Die breit gefächerten Themen wurden in das Backlog für die Weiterentwicklung des dgLP aufgenommen und bilden eine gute Grundlage für deren Vertiefung im Entwicklungsprozess der Anwendungen in der gematik.
Von den Arbeitskreis-Empfehlungen zu möglichen Umsetzungen für Patientenportale, Primärsysteme und ePA

In vier produktiven Workshoprunden wurden entlang der Prozesslandkarte, Gesundheits-ID, E-Einweisung und sektorübergreifenden Terminplattform zentrale Ansatzpunkte für durchgängige digitale Versorgungsprozesse diskutiert:
- Prozesslandkarte: Prozesse gemeinsam sichtbar machen, Abhängigkeiten erkennen und die Weiterentwicklung in Co-Creation gestalten.
- E-Einweisung: Bestehende Erkenntnisse, z. B. aus dem E-Rezept, nachnutzen, um Doppeldokumentationen zu vermeiden und den Zugriff über TI-Flow und ePA sinnvoll zusammenzuführen.
- Sektorübergreifende Terminplattform: Bestehende Angebote intelligent bündeln, statt neue proprietäre Lösungen zu schaffen, mit dem Ziel sektorunabhängiger digitaler Terminbuchungen.
- Gesundheits-ID: Die vorhandene Gesundheits-ID niedrigschwelliger nutzbar machen, um den Zugang zu Patientenportalen und weiteren digitalen bzw. telemedizinischen Anwendungen zu stärken.
Integration statt Insellösungen: Bestehende Systeme, Standards und Erkenntnisse nachnutzen, Medienbrüche vermeiden und Lösungen konsequent aus Sicht durchgängiger Versorgung gestalten.
Nächste Schritte
Die identifizierten Ansätze gilt es nun entlang der Prozesslandkarte weiter zu konkretisieren, offene regulatorische und technische Abhängigkeiten zu klären und gemeinsam mit den relevanten Stakeholdern in umsetzbare Lösungsansätze zu überführen.
Versorgung und Forschung zusammenbringen

Im Workshop "Versorgungs- und Forschungscommunity zusammen bringen", der gemeinsam mit HL7 organisiert wurde, konnten 4 Maßnahmen erarbeitet werden:
(1) Versorgungsdokumentation priorisieren: Der Rückweg in die Versorgungsdokumentation soll in Förderrichtlinien stärker verankert werden. Dazu schreibt die Gruppe bis Jahresende ein Positionspapier an DFG und BMFTR und schafft Awareness bei Forschenden.
(2) Kommentierungen stärken: Alle Kommentierungen sollen öffentlich und über eine zentrale Stelle laufen, transparent aufgelöst werden und die Fachcommunity früh einbeziehen.
(3) DE Core im Sinne des USCDI: In Deutschland sollte einen deutscher USCDI erarbeitet werden (United States Core Data for Interoperability), eine Mindestdatensatz für Gesundheitsdaten. Er legt fest, welche spezifischen medizinischen Informationen und Patientendaten von zertifizierten IT-Systemen im Gesundheitswesen zwingend unterstützt und ausgetauscht werden müssen. Wichtig ist dabei den DE Core basierend auf intersektoralen patient journeys zu erarbeiten und doppelt kommentieren lassen: die Infomodelle aus fachlicher Sicht und die Spezifikation aus technischer Sicht.
(4) Connecthathons: für zukünftige Spezifikationen sollte das KIG zu "Trockenvalidierung" vor Spec Veröffentlichung und Connectathons vor dem Go-Live einladen.
Semantik Strategie
Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt aktuell noch. Sobald die Auswertung abgeschlossen ist, werden die Ergebnisse hier veröffentlicht