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TELEmedizinisches Kompetenznetzwerk „Antibiotic Stewardship in PEdiatRics"

TeleKasper

Typ:
Projekt
Stand:
20.04.2022
Medizinische Fachrichtungen:
Kinder- und Jugendheilkunde
Projekt von:
01.10.2020
Projekt bis:
30.09.2023
Schlagwörter:
Antibiotic Stewardship // App // Arzneimitteltherapie // Konsil // Netzwerk/Vernetzung
Versorgungsebene:
spezialisierte fachärztliche Versorgung // stationäre Versorgung
Zielsetzung:

Das übergeordnete Ziel von TELE-KASPER ist es, den rationalen Einsatz von Antibiotika mittels telemedizinischer Implementierung von Antibiotic Stewardship Maßnahmen in nicht-universitären Kinderkliniken zu verbessern und den Antibiotikaverbrauch zu reduzieren. Damit soll mittelfristig der zunehmenden Antibiotika-Resistenzentwicklung entgegengewirkt und das Risiko für mögliche gesundheitliche Spätfolgen zu reduziert werden. Es soll eine flächendeckende Verbesserung der infektiologischen Patientenversorgung und der indikationsbezogenen Verschreibung von Antibiotika im pädiatrischen Bereich erreicht werden. Die universitären Kliniken dienen hierbei alsKompetenzzentren (Hub – engl. Knotenpunkt, Zentrum), mit deren Unterstützung die Ziele der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie 2020 und der kürzlich publizierten S2k Leitlinie "Antibiotic Stewardship - Konzeption und Umsetzung in der stationären Kinder- und Jugendmedizin" (AWMF Reg. Nr. 048/15) an den nicht-universitären Kinderkliniken umgesetzt werden sollen. Die während des Projektes entwickelte App soll im Rahmen der Intervention als Informationstool mit hinterlegten Leitlinien, Diagnostik-Algorithmen, Hinweisen zur Anwendung von Antibiotika und für Fortbildungsangebote (ABS-Säule: Fortbildung) genutzt werden. Zudem wird die App als direkte Kommunikationsplattform zwischen nicht-universitärer Kinderklinik und zuständigem Hub für konkrete, fallbezogene Anfragen (ABS-Säule: Beratung und Konsile) dienen.

Beschreibung

Zur Messung der Zielerreichung dienen verschiedene Indikatoren. Insbesondere der Antibiotikaverbrauch der einzelnen Kliniken stellt einen wichtigen Indikator dar. Zur Beurteilung der Verschreibungsdichte wird in enger Zusammenarbeit mit der zuständigen Klinikapotheke für die jeweilige Kinderklinik die von der Apotheke monatlich ausgegebene Menge der i.v. verabreichten Antibiotika genutzt: nach WHO ATC; in defined daily dose (DDD), recommended daily dose (RDD) oder in Gramm pro 100 stationäre Patiententage (g/100 PT). Um den Antibiotikaverbrauch zu untersuchen, werden keine individuellen Patientendaten weder vom auswertendem Institut (Institut für Med. Epidemiologie, Biometrie und Informatik) noch von den nicht-universitären Kliniken erfasst, gespeichert oder verarbeitet. Die Daten zum Antibiotikaverbrauch werden dem Institut für Med. Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in aggregierter Form übermittelt. Die Universitätskliniken erhalten die Daten von den jeweiligen Krankenhausapotheken der kooperierenden Kliniken in aggregierter Form. So übermittelt die jeweilige Krankenhausapotheke der kooperierenden Klinik dem Hub beispielsweise nur die Anzahl der Antibiotikaverordnungen und die Anzahl aller Verordnungen für jeden Monat. Die Übermittlung der datzen erfolgt via E-Mail.

Zur Erfassung der Verordnungsqualität von Antibiotika ist die Durchführung von Punkt-Prävalenz-Erhebungen (PPE) zu mehreren Zeitpunkten im Projekt (vierteljährlich), beginnend vor der Intervention, in allen teilnehmenden Kliniken geplant. Bei diesen Erhebungen werden quartalsweise, an einem definierten Tag alle um 08:00 Uhr in einem definierten Rahmen stationär behandelten Patienten erfasst (Anzahl aller stationärer Patienten unabhängig von der Grunddiagnose). Für alle Patienten der ausgewählten pädiatrischen Stationen, welche zu diesem Zeitpunkt eine antibiotische Therapie erhalten, werden zusätzliche Basisinformationen erfasst. Zudem werden weitere Informationen über den eingebenden Arzt, die behandelnde Klinik, sowie konkrete Daten zur antibiotischen Therapie und mikrobiologischen Diagnostik erhoben. Alle Daten werden pseudonymisiert gesammelt. Zu den Punkt-Prävalenz-Erhebungen werden die Sorgeberechtigten und bei vorliegender Einsichtsfähigkeit auch die Patienten durch den betreuenden Arzt aufgeklärt und das Einverständnis eingeholt.Die Datenerhebung wird durch Fachärzte oder Facharztäquivalenz der nicht-universitären Kliniken nach Anweisung durch den entsprechenden Hub durchgeführt und unter einer Patienten-ID über patientenindividuelle Fragebögen vor Ort erfasst. Anschließend werden die Daten dann durch Fachärzte oder Facharztäquivalenz unter einer fortlaufenden Nummer in der Online-Umfrage-Applikation LimeSurvey erfasst und an die zuständigen Hubs übermittelt. Im Nachgang werden die Daten irreversibel anonymisiert.

Zur Untersuchung der Versorgungsqualität sollen die Anzahl neu geschulter Mitarbeiter in Antibiotic Stewardship sowie die Anzahl der in den einzelnen Kliniken neu eingeführten Leitlinien erfasst werden. Als weitere Indikatoren für die Versorgungsqualität sollen die Gesamtmortalität und Mortalität von Fällen mit infektiologischer Diagnose, Verweildauer auf pädiatrischen Stationen und die Interhospitaltransfers erfasst werden. Hierbei werden keine individuellen Patientendaten weder vom auswertendem Institut (Institut für Med. Epidemiologie, Biometrie und Informatik Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) noch von den nicht-universitären Kliniken erfasst, gespeichert oder verarbeitet. Die Daten werden vom jeweiligen Krankenhauscontrolling der kooperierenden Kliniken in aggregierter Form an die Hubs übermittelt und von dort aus an das Institut für Med. Epidemiologie, Biometrie und Informatik weitergeleitet, ebenfalls in aggregierter Form. So übermittelt das jeweilige Krankenhauscontrolling der kooperierenden Klinik dem Universitätsklinikum beispielsweise nur die Anzahl der Todesfälle und die Anzahl aller stationären Fälle für jeden Monat.
 

Der Anteil der verschiedenen Erreger unter allen Nachweisen, sowie die Anteile sensibler, resistenter und intermediärer Befunde an allen Befunden, stratifiziert nach Erreger, können durch Auswertungen mikrobiologischer Befunde (EUCAST/CLSI) bestimmt werden. Wie für die Endpunkte Antibiotikaverbrauch, Mortalität, Liegedauer und Interhospitaltransfer erfolgt hier die Lieferung von aggregierten und nicht patientenindividuellen Daten der kooperierenden Kliniken an das entsprechende Universitätsklinikum (Hub).

Projektbegleitend, und vor allem vor dem Hintergrund, dass diese neue pilotierte Versorgungsform ggf. im Verlauf in die Regelversorgung übernommen werden kann, findet eine Prozessevaluation statt. Hierbei sollen die kumulative Nutzung der App pro Krankenhaus, die Verfügbarkeit und Kommunikationsqualität für die einzelnen Teilbereiche der App (Information - Fortbildung - Beratung und Konsile) sowie der Aufwand dieses Dienstes auf Seiten der Hubs und deren ärztlicher und pharmazeutischer Mitarbeiter betrachtet werden. Es sollen Zugriffszahlen auf die App und Downloadzahlen von Streaming-Angeboten erfasst werden. Der App-Bereich Beratung und Konsile soll zusätzlich stratifiziert nach den Beratungsformen (Kurzanfrage - Konsile – Fallkonferenzen) betrachtet werden. Hierbei sollen als Parameter die Häufigkeit der infektiologischen Anfragen, die Zeitspanne zwischen fachlicher Anfrage bis abschließender Empfehlung dienen. Mittels Feedback-Fragen (in-App) für Ärzte soll die subjektive Zufriedenheit bzgl. der infektiologischen Beratung überprüft werden. Die Prozessevaluation beinhaltet auch eine gesundheitsökonomische Evaluation.

Abgeleitete Maßnahmen

Die erhobenen Daten werden nach Antibiotic Stewardship Kriterien bewertet und zur Identifizierung geeigneter ABS Interventionen und zu deren Evaluation verwendet.
Die Inhalte der App sind in jedem Falle ausschließlich als Empfehlungen für die nutzenden Ärzte zu verstehen. Die therapeutischen Entscheidungen in den einzelnen Kliniken liegen immer und ausschließlich in der Verantwortung der behandelnden Ärzte vor Ort am Krankenbett. 

Zusätzliche Maßnahmen

keine

Informationsgewinnung und -übertragung

Die Daten zum Antibiotikaverbrauch, Resistenzstatistiken und Daten des Krankenhauscontrolling (mittlere Liegedauer, Mortatlität, Interhospitaltransfer...) werden zwischen den Abteilungen der nicht-universitären Kinderkliniken und dem auswertenden Institut (Institut für Med. Epidemiologie, Biometrie und Informatik Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) via E-Mail übermittelt.

Daten aus den Strukturfragebögen, der Apotheke und dem Krankenhauscontrolling, sowie Daten aus Erreger- und Resistenzstatistiken werden in aggregierter Form erfasst. Jede nicht-universitäre Klinik sendet die Daten entweder als E-Mail an den entsprechenden Hub, welcher sie im Anschluss auf Vollständigkeit und Korrektheit prüft. Nach dieser Qualitätsprüfung werden die Strukturdaten vom verantwortlichen Hub-Koordinator manuell in die Electronic Data Capture (EDC) Software LimeSurvey
übertragen und digitalisiert. Alle weiteren Daten werden auf der Plattform Confluence hochgeladen und somit aus allen Hubs zusammengeführt. Confluence ist ein online Arbeitsbereich für das gemeinsame Projekt- und Wissensmanagement eines Teams. Da
aggregierte Daten nicht der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unterliegen, kann das Programm für eine Zentralisierung der Daten bedenkenlos verwendet werden. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, können definierte Seiten durch festgelegte Zugriffsrechte und Verschlüsselungen geschützt werden. Für das Hochladen und den Zugriff auf diese aggregierten
Daten werden nur die Hub-Koordinatoren und die Projekt-Mitarbeiter des Institutes für Med. Epidemiologie, Biometrie und Informatik (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) berechtigt sein.

Die App:

Während der Interventionsphase soll als zentrales Kommunikationsmittel innerhalb des Netzwerkes eine App fungieren. Die App wird im Rahmen des Projektes konzipiert, entwickelt und mit Inhalten befüllt. Die App gliedert sich in 3 Bereiche:

1. Nachschlagewerk (für die Ärzte der nicht-universitären Kinderkliniken)

2. Fort- und Weiterbildung (Podcasts etc.)

3. Kommunikationstool zwischen den Ärzten der peripheren Kliniken und den Hubs

Auf Ebene der teilnehmenden Kinderkliniken wird die App mit Beginn der Interventionsphase eingeführt. Alle in der Klinik arbeitenden Ärzte können diese App ab diesem Zeitpunkt nutzen. Hierzu muss sich jeder ärztliche Nutzer mit einem persönlichen Account in der App anmelden. Innerhalb des Projekts wird hierbei jedem Nutzer eine individuelle Identifikationsnummer (ID) zugeteilt, die anschließend für die Auswertung im Rahmen der Evaluation dient. Dieser ID werden im Projektverlauf alle Aktivitäten des Nutzers sowie die jeweils nach einer Kommunikation mit dem Hub zu beantwortenden Feedback Fragen zugeordnet. Die Generierung der ID erfolgt nach dem einfachen Schema „HUB“ – „KLINIK NUMMER INNERHALB DES HUBS“ – „FORTLAUFENDE NUMMER“ (also M-003-001 für den ersten Nutzer in Kinderklinik Nummer 1 innerhalb des lokalen Hub-Netzwerks München). Vor Registrierung innerhalb der App wird jeder neue Nutzer über diese Verwendung seiner persönlichen Daten sowie die Generierung der ID aufgeklärt. Hierbei wird aktiv das Einverständnis des neuen Nutzers innerhalb der App erfasst.

Der App-Bereich Beratung und Konsile soll die Erstellung allgemeiner oder patientenbezogener Anfragen ermöglichen. Hierbei sollen keine den Patienten identifizierenden Angaben in der App hinterlegt werden. Der Bezug zur Fragestellung erfolgt über eine fortlaufende Nummer. Lediglich notwendige Angaben wie Alter, Körpergewicht und Körpergröße werden erfasst. Die Anfragen werden dem jeweiligen Hub zugeordnet und unter der Nutzer-ID und einer Fall-ID (fortlaufende Nummer) gestellt. Die Kommunikation erfolgt ausschließlich zwischen dem anfragenden Arzt und dem Arzt/Apotheker/Koordinator im Hub zur Beratungszwecken. Eine direkte Kommunikation zwischen Patient der nicht-universitären Kinderklinik und einem Arzt oder Apotheker im Hub ist nicht vorgesehen. Über diese App können in verschiedenen allgemeinen oder auch speziellen Behandlungssituationen Anfragen durch die Ärzte vor Ort an die jeweiligen in den Hubs tätigen Ärzte gestellt werden. Allgemeine, nicht-patientenbezogene Anfragen (sog. TELE-Info) können jederzeit via App sowohl außerhalb als auch innerhalb des gesicherten Kliniknetzwerks gestellt werden. Patientenbezogene Anfragen (TELE-Konsile) können ausschließlich über die sichere Kliniknetzwerk-Verbindung via App gestellt werden (also innerhalb der Klinik, unter Nutzung klinikeigener Endgeräte). Alle Anfragen werden durch die Mitarbeiter des jeweils zuständigen Hubs innerhalb der App beantwortet und dokumentiert. Einzelne, sehr komplexe Fälle können zudem im Rahmen von telemedizinischen Fallkonferenzen besprochen werden, an denen dann mehrere Kliniken bzw. Hubs beteiligt werden können. Diese telemedizinischen Konferenzen finden ausschließlich außerhalb der App, über ein Videokonferenzsystem statt. Für
spezielle Probleme und nur auf besonderen Wunsch der betreffenden Klinik sollen auch Konsile am Krankenbett (Bedside Konsil) möglich sein. 

Die Möglichkeit der Durchführung von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sowie die Organisation von sicheren Mehrpunktkonferenzen (Fallkonferenzen) bilden zentrale Elemente der Videokonferenzlösung. Dabei werden die Echtzeitdaten der Konferenz entweder direkt zwischen den Video-Endpunkten oder über Server in Deutschland, maximal innerhalb der EU / des EWR transferiert. Aus Dokumentationsgründen soll eine Fallkonferenz auch aufgezeichnet werden können. Diese Entscheidung wird aktiv von allen Teilnehmern nach vorheriger Aufklärung über den Zweck getroffen. Die entstandenen Audio- und Videodateien werden nur in lokalen
Verzeichnissen gespeichert und nach Zweckerfüllung gelöscht.
Potentiell erhobene Nutzerdaten (E-Mail, Name, IP-Adressen) werden ebenfalls datenschutzkonform abgespeichert. Die Dauer der Speicherung ist zweckgebunden und überschreitet nicht die Projektlaufzeit. Vor der Teilnahme an einer Konferenz werden alle Nutzer datenschutzrechtlich und über den geplanten Zweck der Datenerhebung aufgeklärt. Die Einwilligung muss aktiv erfolgen.

Informationsempfänger und -verarbeitung

Das TeleKasper Netzwerk besteht aus verschiedenen Ebenen. Dabei sind die Krankenhäuser in vier regionalen Netzwerken zusammengeschlossen. Jedes dieser Netzwerke aus nicht-universitären Kinderkliniken wird von einer universitären Klinik mit Expertise im Bereich pädiatrisches Antibiotic Stewardship und Infektiologie (Hub) koordiniert (Klinikum der Universität München, LMU, Universitätsklinikum Halle, Universitätsklinikum Essen AöR, Universitätsklinikum des Saarlandes). Die einzelnen Hubs wiederum sind übergeordnet in einem Verbund zusammengeschlossen. Die übergeordnete Koordination aller vier Hubs übernimmt der ärztliche Projektleiter in Absprache mit dem Konsortialführer (beide mit Sitz am LMU Klinikum München). Alle Informationen, die der Patientenversorgung dienen, werden zwischen den regionalen Kinderkliniken und deren zugeordneten Hubs ausgetauscht.

Informationen, die der Evaluation dienen (aggregierte daten zum Antibiotikaverbrauch, Resistenzstatistiken, Verordnungsqualität) werden dem evaluierenden Institut übermittelt (Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, MLU Halle-Wittenberg). In den Hubs werden die von den nicht-universitären Kinderkliniken stammenden Daten zuvor auf Plausibilität geprüft und ggf strukturiert (sortiert, umgerechnet) und anschließend dem evaluierenden Institut übermittelt.

Das im Rahmen des Innovationsfonds zu etablierende Netzwerk ist perspektivisch jederzeit sowohl nach oben (z.B. Regionalverbünde) als auch nach unten (z.B. Arztpraxen) erweiterbar.

Zielgruppe:

Pro Hub werden mindestens sechs umliegende Kinderkliniken rekrutiert. Insgesamt ist neben den Hubs von 35 kooperierenden Kliniken auszugehen. Diese versorgen pro Jahr etwa 93.380 pädiatrische Patienten. Über die Gesamtlaufzeit der Versorgungsphase ist somit mit ca. 105.164 stationär versorgten Kindern zu rechnen, wovon erfahrungsgemäß etwa 50.000 eine infektiologische Erkrankung haben.

Einschlusskriterien

1. Kinderkliniken der Primärversorgung oder der fortgeschrittenen Versorgung ohne bestimmte infektiologische Spezialabteilungen und -kompetenzen, hierbei grundsätzlich Einschluss aller stationären Patienten der teilnehmenden kooperierenden Kinderkliniken


2. Zustimmung der jeweiligen Klinikleitung (Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags)


3. Vorliegende Zustimmung der Sorgeberechtigten, wo erforderlich (TELE-Konsil, TELE-Fallkonferenzen, Punkt-Prävalenz-Erhebungen).

Ausschlusskriterien

1. Kliniken mit einem bereits umfassend etablierte pädiatrischen

2. Fehlende Zustimmung der jeweiligen Klinikleitung

Teilnehmende Versicherte:

Geplante Anzahl: 50000
Einzugsgebiet: DE Bayern
Einzugsgebiet: DE Nordrhein-Westfalen
Einzugsgebiet: DE Saarland
Einzugsgebiet: DE Sachsen-Anhalt


Geplante Anzahl: 50000
Einzugsgebiet: DE Bayern
Einzugsgebiet: DE Nordrhein-Westfalen
Einzugsgebiet: DE Saarland
Einzugsgebiet: DE Sachsen-Anhalt

Auswahl-/Zugangsverfahren der Versicherten

Der stationär behandelnde Arzt entscheidet über die Auswahl des Patienten.

Anreizsystem für Teilnehmer:

keins

Einbindung der Versicherten:

keine

Auswahl-/Zugangsverfahren der Leistungserbringer:

Die Auswahl der Leistungserbringer erfolgt nach Überprüfung folgender Kriterien:

1. es handelt sich um Kinderkliniken der Primärversorgung

2. die Kliniken verfügen über kein etabliertes pädiatrischen ABS Programm

1. Kostenträger:

Innovationsfonds, Gemeinsamer Bundesausschuss, Förderkennzeichen 01NVF19009

Adresse:
Heinrich-Konen-Straße 5
53227 Bonn
Deutschland

2. Kostenträger:

Innovationsfonds, Gemeinsamer Bundesausschuss, Förderkennzeichen 01NVF19009

Adresse:
Heinrich-Konen-Straße 5
53227 Bonn
Deutschland

Teilnehmende Leistungserbringer:

Krankenhäuser

Weiterführende Informationen

Keine Angabe durch den Projektträger

Durchführung einer Evaluation:

Vorgesehen

Typ der Evaluation:

Medizinisch // Technisch // Ökonomisch

Ziele der Evaluation:

1. Verbesserungs der Versorgungsqualität stationär behandelter, pädiatrischer Patuienten; zunehmender Antibiotika- Resistenzentwicklung entgegengewirken

2. gesundheitsökonomische Evaluation mit Gegenüberstellung der Kosten – bzw. Kostenersparnis auf Ebene des Krankenhauses und dem Aufwand für die Bereitstellung der Beratungsleistung, als Grundlage für zukünftige Vertragsgestaltungen

3. Im Rahmen der Prozessevaluation sollen Art und Frequenz der App-Nutzung sowie die Nutzerzufriedenheit erhoben werden. 

Durchführende Organisation:

Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik
06112 Halle (Saale)
Deutschland zur Website

Art/Typ des Evaluationskonzeptes:

Bezüglich der Endpunkte findet ein Prä-Post-Vergleich der Kliniken im Stepped-Wedge-Design statt. Es handelt sich um eine konfirmatorische Studie, in welcher der geschätzte, erwartete Effekt der Intervention auf den primären Endpunkt vorab spezifiziert wurde, um die Stichprobengröße zu berechnen. Die sekundären Ziele werden explorativ analysiert, das heißt für diese erfolgt keine
Berechnung der Stichprobengröße und der erwartete Effekt wird vorab nicht spezifiziert.

Folgende Ziele sind Gegenstand der Auswertungen:
Primäres Outcome ist die Senkung des Antibiotikaverbrauches in der stationären
pädiatrischen Versorgung der einzelnen beteiligten Kinderkliniken.
Die sekundären Outcomes zielen in erster Linie auf eine Verbesserung der Versorgungs- und
Verordnungsqualität ab. Zur Messung der Zielerreichung dienen verschiedene Indikatoren.
Insbesondere der Antibiotikaverbrauch der einzelnen Kliniken stellt einen wichtigen Indikator
dar. Zur Beurteilung der Verschreibungsdichte wird in enger Zusammenarbeit mit der zuständigen
Klinikapotheke für die jeweilige Kinderklinik die von der Apotheke monatlich ausgegebene Menge
der i.v. verabreichten Antibiotika genutzt: nach WHO ATC; in defined daily dose (DDD),
recommended daily dose (RDD) oder in Gramm pro 100 stationäre Patiententage (g/100 PT).
Zusätzlich ist auch eine Analyse für einzelne Abteilungen der Kinderklinik möglich, in denen der
Antibiotikaverbrauch erfahrungsgemäß besonders hoch ist. Gleichermaßen lassen die
Pharmazentralnummern (PZN) der Apotheke auch eine separate Auswertung der per os
verabreichten Antibiotika zu. Ein Fokus wird insbesondere auf die Überprüfung der Verschreibung
von Breitspektrum- bzw. Reserveantibiotika (z.B. Piperacillin-Tazobactam, Cephalosporine der
Gruppen III und IV, Carbapeneme, Glykopeptide, Fluorchinolone, Linezolid) gelegt. Als Effekt
wird eine relative Reduktion der Antibiotikaverordnungen von 20% angenommen, wobei
auch eine geringere Reduktion (15%) durch das Studiendesign erfasst werden kann.
Zur Erfassung der Verordnungsqualität von Antibiotika ist die Durchführung von Punkt-
Prävalenz-Erhebungen (PPE) zu mehreren Zeitpunkten im Projekt, beginnend vor der
Intervention, in allen teilnehmenden Kliniken geplant. Diese sollen durch die Ärzte in den
einzelnen Kliniken in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der regionalen Hubs erfolgen. Hierbei
ergibt sich als Qualitätsindikator der Anteil angemessener Antibiotikatherapien bzw.
Antibiotikaprophylaxen [24-28]. Als Bewertungsmaßstab soll hierbei die Adhärenz an nationalen
und lokalen Leitlinien dienen. Es wäre zu erwarten, dass der leitliniengerechte Einsatz und die
angemessene Gabe von Antibiotika durch die Intervention erhöht wird. Sie können somit
Ansatzpunkte für eine Verbesserung der klinischen Praxis identifizieren [25, 28, 29]. Dabei
werden alle erhobenen Daten lokal auf Kinderklinikebene streng vertraulich behandelt und
innerhalb des Projekts nur in anonymisierter Form ausgewertet. Sie dienen nur zur
unterstützenden Beratung, wenn diese gewünscht wird, sowie zur qualitativen Analyse der
antibiotischen Therapie. Darüber hinaus ist die retrospektive Erfassung von Daten zum
therapeutischen Drug Monitoring (TDM) geplant.

Zur Untersuchung der Versorgungsqualität sollen die Anzahl neu geschulter Mitarbeiter in
Antibiotic Stewardship sowie die Anzahl der in den einzelnen Kliniken neu eingeführten Leitlinien
erfasst werden. Als weitere Indikatoren für die Versorgungsqualität sollen die Gesamtmortalität
und Mortalität von Fällen mit infektiologischer Diagnose, Verweildauer auf pädiatrischen
Stationen und die Interhospitaltransfers erfasst werden.
Es wird erwartet, dass die ABS Maßnahmen die Verordnungsqualität von Antibiotika im Sinne
eines schmalen, gezielten und damit nebenwirkungsarmen Einsatz von Antibiotika bei gegebener
Indikation verbessern, ohne die Verzögerung notwendiger Therapien. Somit wird erwartet, dass
die ABS Maßnahmen keine negativen Auswirkungen auf die Indikatoren der Versorgungsqualität
haben und es mittel- bis langfristig zu einer Reduktion multiresistenter Erreger in den Kliniken
kommt.
Projektbegleitend, und vor allem vor dem Hintergrund, dass diese neue pilotierte
Versorgungsform ggf. im Verlauf in die Regelversorgung übernommen werden kann, findet eine
Prozessevaluation statt. Hierbei sollen die kumulative Nutzung der App pro Krankenhaus
und Endnutzer, die Verfügbarkeit und Kommunikationsqualität für die einzelnen Teilbereiche
der App (Information - Fortbildung - Beratung mittels TELE-Info und TELE-Konsil) sowie der
Aufwand dieses Dienstes auf Seiten der Hubs und deren ärztlicher und pharmazeutischer
Mitarbeiter betrachtet werden. Es sollen Zugriffszahlen auf die App und Downloadzahlen von
Streaming-Angeboten erfasst werden. Der App-Bereich Beratung und Konsile soll zusätzlich
stratifiziert nach den Beratungsformen (TELE-Info – TELE-Konsile – TELE-Fallkonferenzen und
Bedside Konsile) betrachtet werden. Hierbei sollen als Parameter die Häufigkeit der
infektiologischen Anfragen, die Zeitspanne zwischen fachlicher Anfrage bis abschließender
Empfehlung dienen. Mittels Feedback-Fragen (in-App) für Ärzte soll die subjektive Zufriedenheit
bzgl. der infektiologischen Beratung überprüft werden. Darüber hinaus werden die TELE-Konsil
Anfragen auf Hub-Ebene 4 Kategorien zugeordnet, die orientierend und nicht patientenbezogen,
den inhaltlichen Fokus der Anfrage abbilden (1. Diagnostik / Erreger; 2. Antibiotikadosierung /
Therapeutisches Drug Monitoring; 3. Therapiedauer; 4. (De-) Eskalation (inkl. p.o. / i.v.) / Stopp
Antibiotika).
Die Prozessevaluation beinhaltet auch eine gesundheitsökonomische Evaluation.

Art des Evaluationsdesigns:

Das Projekt wird im Rahmen einer multizentrischen Cluster-randomisierten Studie in einem Stepped-Wedge-Design durchgeführt, wobei sich die Cluster-Randomisierung auf die nicht-universitären Kliniken mit allen lokal behandelten Patienten (Cluster) bezieht und deren aggregiertes Outcome betrachtet wird.

Art der verwendeten Daten:

Zum einen handelt es sich um Antibiotikaverbrauchsdaten, Resistenzdaten, Daten des Krankenhauscontrollings. Diese Daten sind aggregiert und werden nicht speziell für das Projekt erhoben.

Zum anderen handelt es sich um Daten zur Verordnungsqualtität, die speziell für die Studie in regelmäßigen Stichproben erhoben werden. Die Daten sind patientenbezogen pseudonymisiert bzw. später anonymisiert.

Die Nutzung der App wird durch technische Daten evaluiert( Zugriffsdaten etc) und über einen Fragebogen, der die Zufriedenheit der Nutzer abfragt.

Ergebnisse:

Der primäre Endpunkt wird im Rahmen der Studie konfirmatorisch untersucht. Die statistische
Analyse erfolgt mittels eines Poisson Mixed Effects Modells (Alternative: Population
Average/Marginal Modell mit Generalized Estimating Equations (GEE) und „Sandwich"
Standardfehler (Cluster-robuster Standardfehler). Dieses Modell schließt die unterschiedlichen
peripheren Kliniken als zufällige Effekte ein und die Intervention, sowie saisonale Effekte und
generelle Zeittrends auf Monatsebene werden als statische Effekte betrachtet. Die
unterschiedliche Krankenhausgröße wird mittels eines Gewichtungsfaktors berücksichtigt. Um zu
untersuchen, ob und wie sich der Effekt der Intervention über die Zeit auswirkt, kann eine
Interaktion zwischen der Behandlungsmethode und der Zeit eingeschlossen werden. Eine
mögliche Bias-Quelle sind saisonale Änderungen im Antibiotikaverbrauch. Um diesen Effekt
entgegenzuwirken wurde die Stepped-Wedge-Phase auf einen Zeitraum von über 2 Jahren
festgelegt. Zusätzlich werden die Monate vor der Stepped-Wedge-Phase zur Stabilisierung dieser
Effekte einbezogen. Weitere mögliche Bias-Quellen sind säkulare Trends. Diese werden anhand
des vorangehenden Kontrollzeitraums bestimmt und können so in der weiteren Analyse
berücksichtigt werden. Möglich ist auch eine selektive Teilnahme von Kliniken mit besserem
Umgang mit ABS. Dies würde zu einer konservativen Schätzung des Effektes der Intervention
führen. Die sekundären Endpunkte werden explorativ untersucht. Hierfür werden deskriptive Analysen
durchgeführt, in welchen kategoriale Endpunkte in Prozent und metrische Endpunkte, je nach
Verteilung der Daten, entweder als Mittelwert und Standardabweichung oder als Median und
Interquartilsabstand angegeben werden. In der Prozessevaluation soll außerdem univariable und
multivariable Analysen zu den Faktoren, die die App-Nutzung beeinflussen, durchgeführt werden.

Outcome

Primäres Outcome ist die Senkung des Antibiotikaverbrauches in der stationären pädiatrischen Versorgung der einzelnen beteiligten Kinderkliniken.
Die sekundären Outcomes zielen in erster Linie auf eine Verbesserung der Versorgungs- und Verordnungsqualität ab.

Intervention

Etablierung eines Antibiotic Stewardship Programms

Kontrollgruppe

Prä-Post Vergleich der Kinderkliniken, welche zeitversetzt in die Intervention eingeschlossen werden (Stepped-Wedge-Design)

Patientenkollektiv

pädiatrische Patienten (0-18 Jahre), alle Geschlechter

Vorhandene Rechtsgrundlage

Öffentliche Förderung

Zusätzliche Rechtsgrundlage

Keine Angabe durch den Projektträger

Genutzte Förderprogramme

Förderung von Neuen Versorgungsformen
Kennung: 01NVF19009

Förderung von Neuen Versorgungsformen
Kennung: 01NVF19009

TeleKasper App

Verwendete Standards:

Leitfaden zum Austausch von XML-Daten in der vertragsärztlichen Versorgung

Weitere verwendete Standards:

keine

Verwandte Projekte:

Keine Angabe durch den Projektträger

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Kontakt

Gesamtprojektleitung:

Klinikum der Universität München, LMU Dr. von Haunerschen Kinderspital, Abteilung für pädiatrische Infektiologie
Prof. Dr. Johannes Hübner
Lindwurmstraße 4
80337 München
Deutschland

Website:

https://www.tele-kasper.de/

Ärztliche Projektleitung:

Klinikum der Universität München, LMU Dr. von Haunerschen Kinderspital, Abteilung für pädiatrische Infektiologie
Dr. Ulrich von Both
Lindwurmstraße 4
80337 München
Deutschland

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